Der Artikel soll an einem Beispiel veranschaulichen, wie es gelingen kann Jugendarbeit in einem Kleingartenverein oder einem Bezirk zu etablieren. Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Jedoch konnten auf dem Weg bereits viele wertvolle Erfahrungen gesammelt werden, die Anderen eine gute Hilfestellung bieten können.
Wie überall bedarf es einiger
Engagierter und den Willen, gemeinsam etwas im Sinne der
Kinder- und Jugendlichen und für attraktive und vollständig verpachtete
Kleingartenanlagen
zu tun. Für die tolle und vertrauensvolle Zusammenarbeit möchten wir uns an dieser
Stelle
herzlich bedanken.
Im Rahmen seiner Tätigkeit für den Landesverband der Gartenfreunde Nds. nahm der Bezirksvorsitzende Friedrich Grünberg 2004 an einem Treffen mit dem Vorstand der Schreberjugend teil. Von der Schreberjugend hatte er noch nie etwas gehört. Er ging aber davon aus, dass die Schreberjugend Kinder zu Gärtner ausbildete.
Als ihm die
Engagierten
Jugendgruppenleiter-innen erklärten, was sie taten, war er verwirrt. Erlebniswelten
für junge
Menschen wollten sie schaffen. Helfen, dass junge Menschen ihren Platz in der
Gesellschaft
finden. Demokratische Teilhabe, Umweltschutz - hörte sich alles prima an. Aber
nachdem
der Jurist zuvor wenig Kontakte zu Jugendgruppen hatte blieb ihm ein Rätsel,
wie die
Engaierten der Schreberjugend unter Leitung der Bildungsreferenten Susanne
Martin und
Sascha Neuhaus diese Ziele umsetzen wollten.
Die einzige Veranstaltung, die er anzubieten hatte, war das jährliche Sommerfest, bei dem er bislang immer Aktionen für die Kinder eingekauft hat. Noch immer verwirrt lud er die Schreberjugend zum Sommerfest ein. Sollten sie mal zeigen, was sie so drauf haben.
Ein kleines Team nahm in diesem Sommer beim
Kinderfest teil - die anderen Aktionen waren
bereits vorher gebucht und so ganz überzeugt war Friedrich noch nicht.
Jedenfalls vor dem
Kinderfest.
Nach dem Fest war er begeistert. Zwar hatten die vier
Jugendleiter-innen gar
nicht so viel gemacht: ein bißchen Kinderschminken, ein paar Spiele. Aber die
Art und
Weise, wie sie mit den Kindern umgingen und versuchten, die Gartenfreunde
einzubeziehen
war toll.
Friedrich dämmerte, dass es nicht nur wichtig war, überhaupt etwas
für Kinder- und
Jugendliche anzubieten, sondern dass es auch Unterschiede zwischen
kommerziellen und
Angeboten der Schreberjugend gibt.
Der Gartenverein mühte sich in der folgenden Zeit
vergeblich, Mitglieder zu animieren, etwas
für die Kinder auf die Beine zu stellen. Geld war vorhanden und konnte
zweckentsprechend
verwendet werden: die Förderung von Kindern und Jugendlichen steht schließlich
in der
Satzung. Aber letztlich war kein Ansatz von Erfolg gekrönt: die Eltern wollten
keine Gruppe
aufbauen, der Kindergarten war zu weit weg, die Schule wollte Angebote
außerhalb des
Gartenjahrs.
So blieb es bei einem lockeren Kontakt zur Schreberjugend, ohne
dass wirklich
etwas entstehen konnte.
Eines Tages flatterte Friedrich die Ausschreibung
für ein Bundeskindertreffen in Lüneburg in
die Hand. Unter dem Thema Ernährung trafen sich Kinder aus dem gesamten
Bundesgebiet
an einem Herbstwochenende. Von der Schreberjugend hatte er erfahren, dass diese
besonders auch die Förderung sozial benachteiligter Kinder im Blick hat.
Als Vorsitzender des Vereins kannte er die Kinder und wusste um einige klamme Haushaltskassen. Aber die Schreberjugend wollte der Vorstand des Kleingartenvereins damit nicht belasten. So wurde kurzerhand abgestimmt, dass der Verein den Kindern die Teilnahme ermöglicht und spendierte den Kindern der Pächter den - zugegeben recht geringen - Teilnahmebeitrag und ein kleines Taschengeld.
Als Friedrich die Kinder abholte, war er gespannt auf die Erlebnisse des
Wochenendes. Aber
die Kinder waren so erschöpft und erfüllt von neuen Eindrücken, dass sie im
gemieteten
Kleinbus sofort einschliefen. Erst die positiven Reaktionen der Eltern in den
nächsten Tagen
und die vielen Dankesworte bestätigten ihn in seinem Eindruck: die
Schreberjugend war eine
gute Idee.
Nachdrücklich drängte Friedrich deshalb darauf, dass auch in seinem Verein mehr und vor allem regelmäßige Angebote für Kinder und Jugendliche entwickelt wurden. Er lud Vertreter der Schreberjugend zu seinen Sitzungen ein. Diese stellten ihre Ideen sowie die Seminare und Kinderfreizeiten vor. Und nach langem suchen fand Friedrich Jugendliche vor Ort, die sich bereits im örtlichen Jugendzentrum engagierten und Lust hatten, mit ihm gemeinsam Angebote im Kleingarten zu entwickeln.
Auf diese Verhältnisse schnitt die
Schreberjugend
ihre Arbeit im Bezirk Wolfsburg zu. Zur Unterstützung der lokalen Strukturen
wurde ein
Seminar vor Ort vereinbart. Die Verbindung mit dem Kinderfest war eine gute
Möglichkeit,
um sowohl theoretisch als auch praktisch eine echte Weiterentwicklung im Bezirk
Wolfsburg
zu ermöglichen.
Das weiß keiner so genau. Friedrich hat erkannt, dass er als Kleingärtner umdenken mußte: Jugendarbeit ist nicht so planbar wie das Kleingartenwesen. Wichtig ist aber, dass man jungen Menschen Räume bietet, sich ihre Welt zu gestalten.
Kleingärten sind dafür ein hervorragender Platz.
Session:
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